Chronik

Vereinschronik des
SV Farschweiler 1929 e.V.

„Auf, ihr steifen und verdorrten
Leute aus Büros
Reißt euch mal zu den Fußballsporten
Von den Öfen los.
Bleiches Volk an Wirtshaustischen,
stellt die Gläser fort.
Widme dem freien, frischen
Frohen Fußballsport. …
Sport stärkt Arme, Rumpf und Beine
Kürzt die öde Zeit, und er schützt euch durch Vereine
vor der Einsamkeit.“

Diese kurzen, „sportlichen“ Zeilen des Dichters Joachim Ringelnatz zeichnen treffend die Vergangenheit und Entwicklung eines Vereins vom reinen Fußballverein in den Anfangsjahren bis zum modernen Sportverein mit vielseitigen Angeboten für Jung und Alt beiderlei Geschlechts.
„Nachdem in den Jahren 1928/29 in der Umgebung mehrere DJK-Sportabteilungen gegründet wurden, fanden sich auch in Farschweiler junge Burschen zusammen, um eine Sportabteilung ins Leben zu rufen.
Mit diesen Worten beginnt die Chronik des Sportvereins Farschweiler.“Nach langen Debatten kam es am Pfingstmontag des Jahres 1929(20.Mai1929) zur Gründungsversammlung unter der bekannten Dorflinde in der Kreuzstraße.“
Nachdem sich eine genügende Anzahl junger Männer in dem neu gegründeten Verein angemeldet hatte, erfolgte die Aufnahme in die DeutschJugendKraft unter dem Vorsitz des damaligen Pfarrers von Farschweiler Pastor Zimmer.
Das erste Spiel wurde schon bald im Juli 1929 gegen eine Mannschaft aus Thomm auf einer Wiese an der Straße Thomm-Hinkelhaus ausgetragen und mit 2:0 gewonnen.
In der Saison 1929/30 nahm die junge Mannschaft des DJK Farschweiler an den Verbandsspielen mit Waldrach, Fell, Morscheid, Pluwig, Tarforst und Korlingen teil. Leider reichte es nur zum vorletzten Tabellenplatz
Wegen der weiten Anfahrtswege zu auswärtigen Spielen und der damit verbundenen Kosten geriet der Verein bald in große finanzielle Nöte. Aus diesem Grunde gründeten die Mitglieder eine Theatergruppe, die mit der Aufführung von Volksstücken die Kassen wieder füllte.
Leider wirkte sich auch die weltweite Wirtschaftskrise negativ auf das Vereinsleben aus, so dass 1931/32 der Spielbetrieb eingestellt werden musste. Fast alle Mitglieder des Sportvereins waren arbeitslos. Weder Fußballschuhe noch Bälle konnten beschafft werden. Im darauffolgenden Jahr wurde der Spielbetrieb allerdings wieder aufgenommen.
Farschweiler spielte damals im gelbbraunen Dress des ehemaligen Radfahrvereins. Erst am 24.11.1932 beschloss die Jahreshauptversammlung die Anschaffung einer neuen Sportkleidung, die bis zum heutigen Tage noch Gültigkeit hat: schwarze Hose, schwarzblaues Trikot.
Der politischen Entwicklung in Deutschland musste sich auch die DJK Farschweiler beugen und wurde 1933 aufgelöst. Nach Umbenennung im Herbst 1933 in Sportverein Farschweiler erfolgte dann zum 1.Oktober 1933 die Aufnahme in den Deutschen Fußballbund.
Personelle wie finanzielle Nöte setzten dem Verein in den Folgejahren sehr zu, da einige junge Spieler 1934 zum Reichsarbeitsdienst einberufen wurden. Trotzdem errang die Mannschaft im Winter 1934 den Gruppensieg in ihrer Gruppe. Um die Vereinskasse aufzubessern, trat die Theatergruppe immer wieder auf(„Der Wildherr in der Falkenschlucht“, „Der Bergführer“).
Im Vorsitz des Vereins, den Pastor Zimmer bis 1933 geführt hatte, wechselten sich von 1933 bis 1938 Andreas Theodor und Berger Matthias ab.
Nachdem sich eine Abteilung des RAD 1938 in Farschweiler niedergelassen hatte, entwickelte sich eine rege Sporttätigkeit mit dem SV Farschweiler. Verstärkt durch Mitglieder des RAD errang der Sportverein 1937/38 in seiner Gruppe den 2.Tabellenplatz hinter Könen. Erstmalig konnte auch eine Reservemannschaft aufgestellt werden.
Die Zeit des Aufschwungs, der Erfolge und beispielhaften Mitarbeit wurde durch den Ausbruch des 2.Weltkrieges am 1.September 1939 jäh unterbrochen. Jeglicher Spielverkehr wurde beendet.
Bald nach Ende des Weltkrieges, aus dem viele Sportkameraden nicht zurückgekehrt waren, versuchten einige Sportbegeisterte(Bicko Peter, Kiebel W., Linn Bernhard, Linn Johann) eine Mannschaft zu gründen. Mit Hilfe von Haussammlungen (Kartoffeln, Weizen, Roggen, Eier, Speck) wurden die notwendigen Sportgeräte und Trikots besorgt. Im Herbst 1946 wurde der Spielbetrieb in der damals neu geschaffenen Hochwaldgruppe wieder aufgenommen. Mit Lastauto, Traktor oder Fahrrad erreichte man die auswärtigen Ziele. Filmabende, Tanzveranstaltungen und Weihnachtsverlosungen zur Aufbesserung der Vereinskasse in diesen Jahren sind heute schon fast vergessen. Daneben wurden auch noch Tischtennis, Schach und Preisschießen angeboten.
Die Einführung der D-Mark 1948 verhalf auch dem Verein zu neuem Aufschwung. Erstmalig trat 1952 eine Jugendmannschaft des Vereins auf.
Besondere Verdienste in den Folgejahren bis 1960 erwarb sich der langjährige Vorsitzende Johann Linn, Hauptlehrer Schiffels, Jugendwart Leo Breit aus Herl und Edmund Wahlen, der Jahrzehnte die Kassengeschäfte führte. Im Vorsitz des Vereins wechselten sich von 1960 bis zum heutigen Tage Willi Backes, Rudi Essler, Heinrich Braun, Bernard Phillipp, Josef Juchems, Herbert Krist, Jochen Schultheiß, Adolf Jakoby, Werner Gorges, Norbert Schmitt, Bernd Jonas, Uwe Massmann und Klaus Heinz ab. Besonders Bernhard Philipp machte sich um den Sportverein verdient durch 23-jährige Tätigkeit als Schiedsrichter, hervorragende Arbeit im Vorstand und als erster Vorsitzender von 1967 bis 1975.
Lobenswert sind die Erfolge der ersten Mannschaft durch den Staffelpokalsieg 1951 gegen Abtei, 1952 durch Erringung des Hochwaldwanderpokals und Gewinn der Meisterschaft 1956 in der C-Klasse. 1965 stieg sie in die 1.Klasse auf.
Ab 1970 wurde erstmals ein lizensierter und qualifizierter Trainer(Willi Müller aus Trier) verpflichtet. 1971/72 errang die Mannschaft gegen Geisfeld mit einem 3:2 Sieg die Meisterschaft der 2.Kreisklasse.
Natürlich blieben auch Abstiege nicht aus. Erst durch das Nachrücken junger Talente, dank hervorragender Jugendarbeit, wurde im Spieljahr 1976/77 die Meisterschaft der 1.Kreisklasse gewonnen, in die man ein Jahr vorher erst aufgestiegen war. Damit war die A-Klasse erreicht. Fast 10 Jahre spielte die Erste anschließend in der A-Klasse und scheiterte einige Male nur knapp am Aufstieg in die Bezirksliga. Auch der damalige Gewinn des Verbandsgemeindepokals Ruwer 1976 kennzeichnete diese Hochphase des Vereins. Die 2.Mannschaft hat an den Erfolgen des Vereins erheblichen Anteil. Im Spieljahr 1978/79 gewann die Reservemannschaft die Meisterschaft der Reserveklasse Hochwald und stieg nach der Aufstiegsrunde in die D-Klasse auf. Leider folgte dieser erfolgreichen Zeit 1984/85 der Abstieg aus der A-Klasse und 1991/92 in die C-Klasse. Im Herbst 1987 musste die 2.Mannschaft sogar aus Personalmangel zurückgezogen werden. Nur mühsam ging es allmählich wieder aufwärts. Die Erfolge einer kontinuierlichen und intensiven Entwicklung stellten sich 1999 ein: Staffelsieger und Kreismeister sowie Kreispokalsieger mit der 1.Mannschaft in der Kreisliga B, Staffelsieg mit der 2.Mannschaft in der Kreisliga D. Als Krönung des Aufschwungs spielte die A-Jugend in der höchsten Spielklasse des Verbandes.
Viele Talente sind in diesen Jahrzenten aus dem Sportverein hervorgegangen, die mit den Namen Wahlen, Hurt, Lauer und Weich verbunden sind.
Wie groß das Interesse an der Arbeit des Sportvereins war, zeigt auch die stetige Aufwärtsentwicklung bei den Mitgliederzahlen, die in den Nachkriegsjahren um 100 pendelte und sich dann kontinuierlich über 1968(137Mitglieder), 1978(160 Mitglieder), 1982(220 Mitglieder) bis zur beachtlichen Zahl von 290 Mitgliedern im Jubiläumsjahr 2004 entwickelte.
Sportplätze in Farschweiler
Eine wechselhafte Geschichte ist auch über die Spielplätze des Vereins zu schreiben. In den meisten Jahren befand sich der Sportplatz auf der Heide. In den Anfangsjahren wurden die Spiele auch schon mal auf einer Wiese am Spechtpfädchen östlich von Farschweiler oder in der Nähe der B 52 am Forsthaus Sternfeld ausgetragen. Ab 1950 fand der Sportverein ein endgültiges Zuhause auf der Heide. „Im Jahre 1950 haben wir in einem sehr schön gelegenen Heidengelände am Waldrand von Farschweiler,…, einen neuen Sportplatz hergerichtet. Das Gelände wurde uns von der Gemeinde Farschweiler bis auf weiteres unentgeltlich zur Benutzung überlassen. Da das Gelände nicht flach ist, war sehr viel Erdbewegung erforderlich. Die Böschung an der oberen Längsseite des Platzes ist durchschnittlich 2 Meter bis 3 Meter hoch. Die Arbeit wurde damals mit Hilfe sehr vieler Eigenleistungen der Vereinsmitglieder (Arbeitslose 2701 Stunden; freiwillige 1987 Stunden ohne Bezahlung) durchgeführt. Aus Anlass des 25jährigen Jubiläums (erst) 1956 wurde der Platz überholt“ Besonders nach den Wintermonaten befand er sich immer wieder in einem schlechten Zustand. Knöchelhoher Lehm erschwerte ein flüssiges Spiel. 1968 erfolgte dann endlich mit Unterstützung der
Gemeinde und weiteren Zuschussgebern und Eigenleistung der Ausbau zu einem Tennenplatz. 1979 erhielt der Platz eine Trainingsbeleuchtung(überwiegend finanziert aus dem Verkauf und dem Ablösespiel für Alfred Wahlen zur Eintracht Trier) und 1989 entstand ein modernes Umkleidegebäude mit Gastronomiebetrieb. Eine weitere umfassende Generalsanierung des Spielplatzes erfolgte dann im Jahre 2000. In Eigenleistung wurde im Jahre 2003 die Fläche zwischen den Sportanlagen und der Grillhütte als Parkfläche befestigt.
AH-Mannschaft mit langer Tradition
Die ersten Jahrzehnte im SV Farschweiler wurden hauptsächlich geprägt von der Altersgruppe der 18- bis 35-Jährigen und ab 1948 von Jugendmannschaften. Das Bedürfnis nach weiterer sportlicher Betätigung auch im fortgeschrittenen Alter , ein guter Kameradschaftsgeist und Begeisterung für das Fußballspiel und geselliges Zusammensein ließen den Wunsch aufkommen, auch im höheren Alter sich dem Fußballsport zu widmen. So taten sich 1968 ehemalige Aktive in einer Alte-Herren-Mannschaft zusammen. Seitdem werden vor allem an Samstagen, aber auch bei sonntäglichen Turnieren jährlich bis zu 30 Freundschaftsspiele ausgetragen gegen Mannschaften der näheren und weiteren Umgebung. Das Verbandsgemeindeturnier für AH-Mannschaften fand 1986 erstmals in Farschweiler statt.
Dreimal wurde bisher dieses jährliche AH-Turnier der Verbandsgemeinde Ruwer in den Jahren 1987, 1988 und 1991 gewonnen. Ab 1990 beteiligten sich Senioren aus Farschweiler immer öfters in Spielgemeinschaften für Über-40jährige. Spielermangel in Farschweiler wie in Waldrach führte 2002 zu einer Fusion der beiden AH-Mannschaften.
Neben dem Fußball als wichtigstem Integrationsfaktor liegt noch ein weiterer Akzent auf gesellschaftlichen Veranstaltungen wie Wanderungen und mehrtägige Fahrten, auch in das europäische Ausland.
Dass Fußballsport bis zu einem fortgeschrittenen Alter möglich ist, die Gesundheit erhält und Freude bereitet, dafür gibt die Alte-Herren-mannschaft im Sportverein Farschweiler unter dem langjährigen Spieler und derzeitigen Betreuern Adolf Jakoby (23 Jahre) einen eindeutigen Beweis.
Erfolgreiche Jugendarbeit
Aus den Jahresberichten des Sportvereins ist zu ersehen dass 1952 erstmals eine A-Jugendmannschaft aufgestellt wurde „unter erheblichen Selbstkosten, die der Tüchtige durch Verkauf von Rasierklingen zu seinen Gunsten herabsetzen konnte, sowie durch Gewährung eines Zuschusses durch die Gemeinde, war es möglich geworden, die notwendige Ausrüstung zu beschaffen. Es gab damals auch pessimistische Stimmen, die diesem Vorhaben keine Zukunft einräumten. Umso mehr freut es uns heute rückblickend (1954) festzustellen, dass es kein vergeblicher Versuch war, sondern im Gegenteil, dass diese Jungs sich tapfer geschlagen haben und bereits im ersten Jahr sich die Gruppenmeisterschaft und einen Fairnesspreis heimholten…
Bei den Aufstiegsspielen um den Kreismeister schlugen sie sich tapfer gegen starke Gegner bis in die Vorschlussrunde durch. Diese Spiele mussten im Winter bei hohem Schnee und strenger kälte durchgeführt werden. Wir müssen feststellen, dass unsere Jungs trotz der ungewöhnlichen Witterung durchgehalten haben…
Auch bei den Spielen um den Landratspokal, an denen ca. 40 Mannschaften teilnahmen, hat sich unsere Mannschaft bis ins Endspiel durchgeschlagen.“ Dreimal hintereinander errang die A-Jugend die Staffelmeisterschaft. Erstmals spielten auch Jugendliche aus Lorscheid in der Jugend mit.
Ab 1955 wurde die Jugendarbeit systematisch ausgebaut mit einer C-Jugend und 1961 mit einer D-Jugend, die dann1962 die Staffelmeisterschaft errang.
In der Saison 1973/74 gab es erstmals durchgehend Jugendmannschaften von der D- bis zur A-Jugend, die die D-Jugend mit der Meisterschaft krönte.
Mit beachtlichen Erfolgen schlugen sich die Jugendmannschaften bis zum Jahre 1979, als die A-Jugend nach Aufstieg in die Gruppenliga auf Anhieb Meister wurde und in der Saison 1979/80 in der höchsten deutschen Jugendliga, der Rheinlandliga, in Spielgemeinschaft mit der VFL Trier bis 1981 spielte.
Die Jugendarbeit wurde in den 80er-Jahren um eine E-Jugend erweitert, oft in Spielgemeinschaften mit Thomm und Osburg. Es folgte bald auch eine F-Jugend.
In der Saison 1998/99 spielten in Farschweiler ausschließlich eigene Jugendmannschaften, was außer uns im Verband nur Eintracht Trier und dem SV Wittlich gelangen.
In einem Bericht des TV vom April 2004 ist zu lesen: „In einer Spielgemeinschaft mit dem FSV Osburg und dem SV Thomm stehen jedes Wochenende zehn Mannschaften(Jugendbereich) auf den Plätzen des Kreises. Davon werden 6 Mannschaften vom SV Farschweiler betreut und trainiert. Erstaunlich, dass 56 Jugendspieler…aktiv sind.“
Als besonderer Höhepunkt können die fast jährlich angebotenen und durchgeführten Jugendzeltlager angesehen werden.
Weitere Aktivitäten, wie Damenfußball(zeitweise), Kinderturnen für verschiedene Altersgruppen und Damengymnastik runden die vielseitigen erfolgreichen Tätigkeiten des Sportvereins ab.
Quellen:
Festschriften: 1968,1969,1979,1989,1993(AH),1999,2004, Protokolle und Berichte der Jahreshauptversammlungen